Üben im Flow
Eine ganzheitliche Übemethode
Die Methode
Die 4 Prinzipien des Übens im Flow
Flow-Zustände beim Üben entstehen durch eine Sensibilisierung der drei wesentlichen Sinne, die zum Spielen eines Instruments benötigt werden:
Tastsinn, Hören und Körpergefühl.
In jedem dieser Sinne werden feine Qualitäten gesucht, die leicht „übersehen“ werden können. Die Kultivierung dieser Qualitäten sorgt für eine tiefe Verinnerlichung des Instruments und hat das Potenzial, das eigene Spiel auf eine höhere Ebene zu heben.
Das vierte Prinzip bezieht sich auf eine besondere Herangehensweise bei der Erarbeitung eines Stückes.
1. Tastsinn
Physikalisch gesprochen entsteht eine taktile Verschmelzung mit dem Instrument, wenn die aus dem Körper kommende Energie ohne Störungen oder Brüche über die Berührungspunkte in das Instrument fließen kann.
Tastsinn
Der Kontakt zum Instrument
Eine optimale Kraftübertragung äußert sich in dem Gefühl einer „satten“ taktilen Verbindung zum Klangkörper. Sie bietet Ihnen ein Höchstmaß an Sicherheit und Information bei der Erarbeitung und Bewältigung schwieriger Passagen. Sorgen Sie also an den Kontaktpunkten für ein permanentes, „sattes“ Wohlgefühl.
Hier geht es um die Punkte, an denen Sie unmittelbare Berührung mit Ihrem Instrument haben, insbesondere die Punkte, an denen Sie den Klang formen (allgemein: Hände, Fingerspitzen, bei Bläsern Lippen, Ansatz, bei Streichern die Fingerspitzen der linken Hand sowie die Kontaktstelle, die Verbindung von Bogen und Saite).
2. Hören
Für jedes Instrument gilt: Sorgen Sie konsequent für Tonschönheit, egal, was Sie spielen, also auch beim Üben von Technik! Ohne eine ästhetische Tongebung bleiben wesentliche Teile Ihres Gehirns unbeteiligt, Hirnareale, die auf der Bühne dringend benötigt werden!
Hören
Die Entwicklung des Klangsinnes
Experimentieren Sie mit der bewussten Beeinflussung des Obertonspektrums durch Veränderungen Ihrer Spielweise und suchen Sie eine Tonqualität, die Ihnen gefällt.
Eine derartige, auf die Tonqualität gerichtete Konzentration fördert ein äußerst genussreiches Aufgehen in den selbst erzeugten Klängen. Sie kann bei konsequenter Anwendung regelrecht „high“ machen und ist in der Lage, den gesamten Übeprozess zu tragen.
3. Körpergefühl
Hier geht es um den Bewegungssinn: Alles, was Sie an Ihrem Instrument tun, sollte in einem Gefühl der Anstrengungslosigkeit geschehen. Gemeint ist hier nicht eine völlige Entspannung, eine Schlaffheit, sondern ein Körpergefühl des nicht angestrengten, leichten, fließenden Tuns, ein Gefühl des Tanzens, des Schwingens. Behalten Sie dieses Gefühl der Anstrengungslosigkeit jederzeit bei.
Körpergefühl
Durchlässige Anstrengungslosigkeit
Achten Sie auf Ihren Körper! Ihr Körper signalisiert Ihnen eine Überforderung durch eine subtile Verkrampfung. Finden Sie also für eine technisch schwierige Stelle zunächst eine Vereinfachung, mit der Sie diese Stelle ohne das Gefühl der Verkrampfung ausführen können.
Mit wachsender Sicherheit entsteht dann spontan und von innen heraus der Wunsch, immer näher an die Originalfassung heran zu gehen, d.h. die Grenze dessen, was im Gefühl der Anstrengungslosigkeit bewältigt werden kann, immer weiter hinaus zu schieben.
4. Übematerial
Zu Beginn einer jeden Übesequenz sollten Sie in jedem Fall zunächst - in Form von einzelnen Tönen oder leichten Melodien – die oben beschriebenen feinen Qualitäten in den jeweiligen Sinnen suchen. Wenn Sie beginnen diese Qualitäten wahrzunehmen, können Sie sich an die Erarbeitung der aktuellen Literatur machen.
Übematerial
Spielerischer Umgang
Spielen Sie zunächst improvisierend mit den Tönen des studierten Werkes herum. Notenwerte, Bindungen und dynamische Vortragszeichen müssen noch nicht beachtet werden. Setzen Sie zunächst einmal das vorgegebene Tonmaterial in optimal klingende Töne um und achten Sie dabei auf den oben beschriebenen dichten und „stimmigen“ Kontakt zum Instrument und zum erzeugten Klang. Verbessern Sie unmittelbar, was Ihnen störend auffällt!
Achten Sie darauf, diese Suche nach Qualität im Tasten, Hören und Fühlen konsequent musikalisch zu gestalten! Ohne dieses musikalische Herangehen entsteht kein Flow, keine Kreativität, Sie bleiben im „Üben“ stecken. Ihre Musikalität ist der Treibstoff, der Sie in einem sich selbst organisierenden, von Ihren Sinnen geleiteten Prozess an die gewünschte Endfassung Ihres Stückes heranführt.
Üben im Flow und das Gehirn
Lernen im Alpha-Modus
2005 wurden in einer explorativen EEG-Studie die Hirnströme von Studentinnen und Studenten während des Übens im Flow gemessen. Die Ergebnisse zeigten, dass tiefes Eintauchen in eine Tätigkeit mit einer starken Alpha-Aktivität und einer hohen Kohärenz der Hirnwellenmuster einhergeht.
Lernen im Alpha-Modus ist höchst effektiv, weil Informationen tief ins Langzeitgedächtnis eingespeichert werden. Hohe Kohärenz in der Hirntätigkeit macht das Gehirn durchlässig für kreative Ideen und spontane Problemlösungen.
Kontakt
Andreas Burzik
0160 966 11 699
mail@flowskills.com
Praxis:
Bahnhofstr. 5 (Seiteneingang)
28195 Bremen